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DER GEFANGENEN IM STRAFVOLLZUG DER BRD



Die dynamische Tätertypologie ist eine Behandlungstypologie. Sie verlangt ein auf Anpassung ausgerichtetes Verfahren. Der Proband istvom Standpunkt seiner Bedürfnisse, Zugänglichkeit und Geeignetheitfür eines der differenzierten Programmezu analysieren.

Die Klassifizierungder Gefangenen ist keine neue Erscheinung: in der Geschichte des Strafvollzuges. Das Einteilungsprinzip aller Modelle kann als "pragmatische Klassifizierung" bezeichnet werden. Es stützt sich auf Kriterien einer statisch gedachten Tätertypologie (Alter, Geschlecht, Vorstrafen, Artund Anzahl verbüßter Freiheitsstrafen, körperliche und geistige Gesundheit).Dazu kommt noch der Grad der vermuteten Gefährlichkeit des Probanden. In der Praxis blieb diese Einteilung oberflächlich. Ihr spezifischer Mangel liegt in der Konzentration auf den Vollzugszeitraum. Die Übergangsperiode nach der Entlassung wird dabei außer Acht gelassen.

Natürlich muss ein Teil dieser Kriterien weiter verwendet werden, Das gilt vor allem für die Erststraftäter. Schon durch die generelle Trennung der Neulinge von den Vollzugserfahrenen vermindert die Gefahr der kriminellen Ansteckung.

Im Rahmen eines dynamischen Konzepts ist der versieht auf statische Kriterien vorgesehen. Das bedeutet, dass der Proband nicht unwandelbar ist und für immer zu unwandelbaren Persönlichkeitstypen mit spezifischen Eigenschaften nicht einzuordnen ist.

Die Beurteilung eines Probanden darf nicht zum Urteil werden. ''Gefährlichkeit" ist z.B. ein bedeutendes Kriterium zur Beurteilung des Gefangenen, aber es soll nur ein Erkenntnisfaktor bleiben und nicht zum Prognosenfaktor werden.

Die Arbeit an einer wissenschaft1ich begründeten Behandlungstypologie steht noch in den Anfängen. In Großbritannien wurde eine Klassifikation entwickelt, die sich auf bestimmte Problemfelder richtet. Im Ergebnis entsteht für jeden Probanden ein spezifisches Profil seiner Vorzüge und besonders konflikthaften Bereiche. Das erlaubt, ihn einer bestimmten Behandlungsgruppe zuzuweisen.




Ernsthaft betriebene Behandlungsprogramme stellen größere Anforderungen an den Probanden und belasten ihn psychisch stärker als ein strenges klassisches Regime, da sich dieses mit der äußerlichen Anpassung an einen festgelegten Kodex von Verhaltensregeln zufrieden gibt.

 

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DIE BEHANDLUNGSMETHODEN DER SOZIALTHERAPIE

Als bislang geeignetste Behandlungsmethode ist nach der Meinung einiger Wissenschaftler die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie. Sie ist das Kernstück der Sozialtherapie.

Diese Richtung, psychoanalytisch orientiert, meint, dass manKriminalität nicht einfach mit Krankheit gleichsetzen kann. Der Krankheitsbegriff ist nur kritisch zu verwenden, wie er mit der Zeit, in einer tief psychologisch fundierten Psychosomatik entwickelt wurde. Mit dessen Hilfe kann man zahlreiche Formen kriminellen Verhaltens in der psycho- und sozialdynamischen Weise interpretieren, dass nur durch psycho- und soziotherapeutische Hilfen eine Änderung möglich ist.

Auf der Grundlage des psycho- und soziogenetischen Konzepts ergibt sich dann, dass die psychoanalytische Kriminologie die Kriminalität als sozial verursachte Erkrankung betrachtet und eine psychoanalytisch ausgerichtete Therapie diese Fehlentwicklung in der Sozialisation auszugleichen hat. Es gilt dabei, die in der Kindheit nicht erkannten Grunderlebnisse nachzuholen, die aus der Biographie entstandenen inneren Konflikte zu verarbeiten. Das therapeutische Klima, die stabile Objektbindung. die sozial therapeutisch strukturierten Trainingsfelder für adäquates Verhalten, der Verzicht auf Anpassung an diejeweilige Struktur der Gesellschaft sind dazu notwendig.

Andere Wissenschaftler verstehen Sozialtherapie als kollektive Praxis. Dabei erscheinen zwei Ziele der Sozialtherapie für eine optimale therapeutische Bewegung auch im Strafvollzug- unabdingbar; Emanzipation und Solidarität.

Aus derVielzahl der bereits bewährten Verfahren sollen genannt werden: die psychoanalytische Gruppentherapie, das Psychodrama nach Moreno, die lernpsychologisch orientierten Verfahren der Verhaltenstherapie, die so genannte klientzentrierte Therapie nach Rogers, die Arbeitstherapie, die Beschäftigungstherapie, die Kontakttherapie, die Milieutherapie, die therapeutische Gemeinschaft, die so genannte Realitätstherapie.



Die Realitätstherapie verzichtet auf die Erarbeitung der Vergangenheit- und ist völlig an der Zukunftsperspektive orientiert. Darunter versteht man das Training zur Bewältigung bevorstehender Schwierigkeiten, Speziell für die Behandlung von Triebtätern kommen stattdessen medizinische Maßnahmen in Frage.

Besonders brauchbar hat sich das Konzept der Phasenbehandlung erwiesen. In der ersten Phase sieht es um die Kontaktbehandlung. Man muss den Täter zur Mitarbeit anseiner Behandlung gewinnen. Die zweite Phase dient der Ich-Stärkung und der so genannten Strukturierurig der Persönlichkeit, Die dritte Phase bildet die Endphase, wo die Entlassung vorbereitet wird.

Von welcher Konzeption man auch ausgeht, besteht es in jedem Fall die Notwendigkeit, den dynamischen therapeutischen Prozessinnerhalb einer begrenzter Zeit regelmäßig durchzuführen, so dass er sich für die Mehrzahl der Probanden nicht nur im Vollzug, sondern auch nach der Entlassung positiv erweist.

 

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