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GRUNDGEDANKEN DER SOZIALTHERAPIE



Bereits die Verschiedenheit der Tätergruppen bestimmt, dass es eine für alle Gruppen gültige und anwendbare Therapie nicht geben kann. Nach heutigem Wissensstand ist esunmöglich anzugeben, welche Methode bestimmt bei den konkreten Individuen Erfolg haben wird. In erster Linie ist festzustellen, wodurch sich die sozialtherapeutischen Verfahren von sonstigen Formen der Therapie unterscheiden. In derBundesrepublik wurde dem "Sozialen" der Sozialtherapie in der Regel wenig Bedeutung beigemessen, es ging vielmehr um Therapie der individuellen Störungen, die sich durch die Straftaten sozial auswirken.

Der Begriff "soziale Therapie" wurde 1947 von Viktor von Weizsäcker eingeführt. Er verstand darunter eine psychotherapeutische Methode der gezielten Beeinflussung der sozialen Umwelt des Patienten zu dessen eigenem Nutzen. Auf dem Bereich der sozialen Therapie von Strafgefangenen bedeutet der Begriff, die sozialen Beziehungsstörungen des Probanden in den Mittelpunkt zu stellen, die Quellen dieser Störungen zu erfassen und dann entweder den Probanden oder dessen Bezugspersonen (Familie, Freunde) in den therapeutischen Prozess einzubeziehen.

Andere Wissenschaftler verstehen unter Sozialtherapie eine Heilbehandlung, die auf die Normalisierung oder Herstellung der psychischen Verhaltensweisen hinsichtlich Zusammenlebens in sozialen Gruppen. Klassen, Schichten in der Bevölkerung gerichtet ist. Die Sozialtherapie befasst sich mit den seelischen Phänomenen wie Sympathie, Antipathie, Liebe und Hass, Machtstreben und Unterwerfung, Kontakt- und Distanzformen, Verhaltenswelsen in sozialen

Gruppen, z.B. in Familie, Freundschaft, Schule, Beruf. Sozialtherapie ist also eine Therapie, die sozial macht.

In der Psychotherapie werden die Probleme des Seelischen behandelt, die Sozialtherapie beschäftigt sich nur mit ausgewählten Aspekten, die gerade für das soziale Verhalten in einer Gemeinschaft von Bedeutung sind. Das Ziel der Sozialtherapie ist die mögliche Beseitigung der Persönlichkeitsstörung und die Eingliederung des Straftäters in die soziale Gruppe.




Bei der Behandlung der Person, die in ihrer Persönlichkeit sehr gestört ist, ist kaum auf einen Persönlichkeitswandel zu hoffen. Die Sozialtherapie soll zu der Ich-Stärkung, einem Abbau destruktiver Einstellungen und der Ausbildung notwendiger Fertigkeiten beizutragen. Sie soll in dem Probanden eine gewisse Umstrukturierung und Verhaltensänderung veranlassen.

 

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GEFÄNGNISGESELLSCHAFT. SOZIALSTRUKTUR DER INSASSEN

Mit der Verfestigung der Insassenkultur und der Klärung der gegenseitigen Abhängigkeiten, der passenden sozialen Rollen, der dem Anstaltspersonal entsteht eine differenzierte Gefängnisgesellschaft. Das ist eine Organisation in der Organisation, eine inoffizielle Gemeinschaft, die das Klima der Anstalt bestimmt. Wie in jeder geschlossenen Gesellschaft bilden sich auch in der Gefängnisgesellschaft verschiedene Verhaltenstypen der Insassenrollen aus, die die Anpassung an soziale Situation beeinflussen sollen.

Es ist bekannt, dass die Täter verschiedener Deliktgruppen sich gegenseitig herabsetzen. Sie versuchen ihre eigene Tat als höher stehend zu rechtfertigen. Den niedrigsten Rang aller Deliktgruppen nehmen die Gewalttäter ein. Einige Forscher zählen dazu Sittlichkeitsverbrecher. Die Diebe verachten die Betrüger, weil sie das Vertrauen missbrauchen und dies auch in der Anstalt tun. Demgegenüber sehen die Betrüger die Diebe als primitive Menschen an. Eine echte Rangsordnung aus diesem System der gegenseitigen Verachtung nicht feststellen.

Die Forscher stellen fest, dass nicht die Deliktsart die soziale Anerkennung der Häftlinge begründet. Der informelle Status ist durch die Auswahlkriterien der Anstaltsleitung bei der Vergabe von Vertrauensposten bedingt. Die Leitung ist bemüht, wichtige Posten mit Langstrafigen zu besetzen, um einen häufigen personellen Wechsel zu vermeiden. Das Privilegiensystem folgt organisatorischen Notwendigkeiten und das Kriterium für die Privilegierung ist die Anstaltserfahrung. Die Klassen der Privilegierten stehen zueinander nur im Verhältnis der gegenseitigen Ausbeutung, ohne eine Solidarität bewusst zu fördern.

Innerhalb der Gefängnisgesellschaft besteht eine Schichtung in drei Klassen: die Elite, die Mittelklasse und die Unterschicht. Sie trägt aber keinen sozialen Charakter. Diese Schichtung soll sich sо ausbilden, wie die Insassen einander im Verhalten gegenüber dem Anstaltsstab einschätzen. Die obere Schicht zeichnet sich durch längere kriminelle Erfahrung; und größeren Widerstand gegen den Stab aus. Die Unterschicht besteht aus den allseitig abgelehnten Sittlichkeitsverbrechern, Geistigzurückgebliebenen, Denunzianten, extremen Frommen.

 

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